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20.12.2016 14:59

Deutsche Hilfe – nah an den Bedürftigen

Von: Dr. Roland Wolf

Das Spital in Lambarene unterstützen, das Albert Schweitzer als Improvisation sei­nes Denkens bezeichnet hat, das steht für uns Deutsche wie auch für andere euro­päische Unterstützer außer Frage. Helfen also ja – aber wie?

Probleme gibt es in Lambarene zuhauf, allen voran die chronische Unterfinanzierung des Krankenhauses, die durch die Halbierung der staatlichen Subvention seit dem Jahr 2015 noch verschärft wurde. Der Schlüssel für den Fortbestand des Spitals liegt vor allem in der Hand der gabunischen Regierung. Dessen ungeachtet bleiben die eu­ro­päischen Hilfsvereine, allen voran die aus der Schweiz und Deutschland, weiter aktiv und unterstützen mit zahlreichen Maßnahmen dieses einzigartige, seit über hundert Jahren bestehende Projekt internationaler Solidarität und praktizierter Huma­nität auf dem afrikanischen Kontinent.

Der Deutsche Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene (DHV) setzt seit nunmehr 20 Jahren auf die Finanzierung von fest umrissenen Projekten. Die Er­weiterung des Forschungslabors, Bau von zwei Sanitärblöcken im Lepradorf die Gesundheitsfürsorge in der dörflichen Gemein­schaft durch den mobilen Dienst des Spitals, Erneuerungsmaßnahmen in Schule und Kindergarten, Notmaßnahmen im Elektrobereich, Kostenübernahme für den Einsatz von Spaltchirurgen, eines Tier­arztes und eines Buchhalters, Finanzierung eines Aids-Projekts zur Verhinderung der Übertragung von der Mutter auf das Kind mögen als Beispiel dafür stehen.

Abgesehen von akuter Hilfe wie die Beseitigung von Unwetterschäden konzentriert sich die deutsche Hilfe in erster Linie auf Maßnahmen, die direkt den oftmals bedürftigen Patienten zugutekommen.

Zahlenmäßig an erster Stelle steht die Übernahme von Medikamentenrechnungen. Bis zu 60% des jährlichen Medikamentenverbrauchs werden vom DHV finanziert. Bestellt und bezahlt werden die Arzneimittel in Europa, bei IDA in den Niederlanden und beim deutschen Medikamentenhilfswerk action medeor.

Ein weiteres Augenmerk gilt seit einigen Jahren den Buruli-Kranken. Buruli ist eine schon von Schweitzer beschriebene Krankheit der Haut, die zu hässlichen Geschwü­ren und, wenn zu spät behandelt,  zur Verstümmelung von Gliedmaßen führt. Die Krank­heit findet sich vor allem in Gebieten mit stehenden Gewässern, weshalb in der Region von Lambarene mit ihren zahlreichen Seen über vier Fünftel der Fälle Ga­buns gezählt werden. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche, deren Eltern die monatelange Therapie mit Antibiotika und die häufig notwendigen Operationen nicht bezahlen können.

Für solche Fälle hat der DHV seit drei Jahren einen mit 10.000 € ausgestatteten Fonds eingerichtet. Bei seinen Besuchen in Lambarene ermittelt DHV-Vorstandsmit­glied Dr. Roland Wolf die unbezahlten Rechnungen von Buruli-Patienten und veran­lasst die Erstattung der Behandlungskosten an das Spital.

Eines der letzten lebendigen Überbleibsel aus der Zeit Schweitzers ist das Anfang der 1950er Jahre erbaute Lepradorf. Dort leben zurzeit noch zehn ehemalige Lepra­kranke. Zwar ist die Krankheit mittlerweile zum Stillstand gekommen, nicht jedoch die Folgen. Wie bei der Buruli-Krankheit ist das Immunsystem gehemmt, und die Kranken infizieren sich immer wieder, vor allem an den Füßen, was medizinische Behandlungen notwendig macht. Zudem werden die Patienten vom Spital mit Nahrungsmitteln versorgt und erhalten eine kleine finanzielle Zuwendung. Nimmt man die vier in einem Gebäude des Spitals untergebrachten psychisch Kranken und Sozialfälle hinzu, entstehen dem Krankenhaus jährliche Kosten von etwa 18.000 €. Der genaue Bedarf wird von Dr. Wolf in Form einer detaillierten Überprüfung der Bedürftigkeit ermittelt.

Auch hier ist also Hilfe für Bedürftige ganz im Sinne Schweitzers notwendig und sinnvoll. Deshalb hat der DHV beschlossen, auch diese dem Spital entstehenden Kosten zu übernehmen.

Wie Sie sehen, ist die deutsche Unterstützung nah dran am Patienten und vor allem den immer noch zahlreichen Menschen, die entweder nicht krankenversichert sind oder im Falle einer Versicherung den 20prozentigen Eigenanteil nicht bezahlen können. Und auch die letzten Leprakranken sowie die ohne familiäre Bindungen im Krankenhaus lebenden Sozialfälle können auf unsere Hilfe zählen. Und dazu brauchen wir weiterhin viele Spenderinnen und Spender, die uns diese Hilfe ermög­lichen.

 
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