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26.10.2016 00:43

Ehrfurcht vor den Tieren - Tierethik in der Diskussion

Albert Schweitzer

Albert Schweitzer

Albert Schweitzers Ehrfurchtsethik bietet keine glatten Lösungen für unser Alltagshandeln an. Es fordert vielmehr jeden Einzelnen zum eigenständigen Denken und verantwortlichen Entscheiden heraus.

Entsprechend fällt die Beurteilung der Praxistauglichkeit dieser Ethik mitunter kontrovers aus. Daher sind wir immer neu herausgefordert, uns mit den unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und die Tragfähigkeit von Schweitzers Ethik an täglichen Handlungssituationen zu prüfen. Die folgenden beiden Beiträge möchten zu einer solchen kritischen Auseinandersetzung anregen.

sst sich die Tierethik auf die Ehrfurcht vor dem Leben gründen?

Von Prof. Dr. Ursula Wolf

Albert Schweitzers Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben erscheint auch heute noch vielen als attraktive Basis für die Tierethik. Allerdings ist Grundprinzip seiner Ethik nicht Mitleid mit Tieren, sondern Ehrfurcht vor allen lebenden Wesen. Und dies nicht nur als Einstellung, sondern als aktive Verantwortung, Leben zu erhalten und zu fördern. Wird die Ethik dann nicht impraktikabel? Wir könnten auf tierische Produkte verzichten, aber nicht auf den Verzehr von Pflanzen.

Die unüberwindlichen Grenzen der Rücksicht erklärt Schweitzer mit der Selbstentzweiung des Seins. Diese bedeutet, dass wir nicht überleben können, ohne Leid und Not über das Leben anderer zu bringen. Daraus leitet er ein naturgegebenes Recht ab, niederes Leben dem höheren zu opfern, z.B. Tierversuche zur Förderung des Lebens zu machen, solange wir zum Ausgleich unserer Schuld bei jeder Gelegenheit Leben bewahren.

Aus dem Faktum, dass wir durch unser Leben unvermeidlich in das anderer eingreifen, lässt sich aber begrifflich kein naturgegebenes Recht der Opferung niedrigeren Lebens ableiten. Hier wird deutlich, dass aus Schweitzers Lehre, die weniger überzeugt als sein praktisches Vorbild, keine starken Pflichten gegen Tiere folgen. Eine generelle Ablehnung von Tierversuchen etwa kann sich nicht auf sie stützen. Das Verschleifen der Grenze zwischen leidensfähigen und anderen Lebewesen schwächt das moralische Gewicht der Tiere.

Gibt es Wertunterschiede zwischen den verschiedenen Lebewesen?

Von Dr. Gottfried Schüz 

In einem Brief von 1931 an seinen Freund Oskar Kraus, einem Rechtsphilosophen, nimmt Albert Schweitzer zur "Wertfrage" dezidiert Stellung:

„Ja lieber Freund, und wenn ihr mich totschlagt, so erkenne ich keine objektiv geltenden Wertunterschiede im Leben an. Jedes Leben ist heilig! ... Wertunterschiede machen wir aus subjektiver Notwendigkeit, aber darüber hinaus gelten sie nicht. Der Satz, dass alles Leben heilig ist, erlaubt keine Steigerung. Darin werde ich immer Ketzer bleiben.“

Mit der Grundgesinnung der Ehrfurcht vor allem Leben geraten wir, wie Schweitzer betont, immer wieder in Konflikt. Wir kommen fortgesetzt in die Lage, anderes Leben schädigen oder vernichten zu müssen, um das eigene oder anderes Leben zu erhalten. Aus diesem naturgegebenen Zwiespalt leitet Schweitzer jedoch keineswegs ein „Naturrecht“ ab, „niederes Leben dem höheren Leben zu opfern“. Einen solchen Freibrief gibt es für Schweitzer nicht. Die Ehrfurchtsgesinnung akzeptiert kein zwangsläufiges oder generelles Aufopfern von uns ferner stehendem, nieder entwickeltem oder vermeintlich unnützem Leben. Sie erlegt uns vielmehr die schwere Verantwortung auf, von Situation zu Situation immer neu abzuwägen, welches Maß an Schädigung oder Vernichtung anderen Lebens unabdingbar notwendig ist. Diese Notwendigkeit gilt es gewissenhaft zu prüfen – z. B. auch im Blick auf Tierversuche.

Um es nochmal zu betonen: Dass Schweitzer im Einzelfall der Erhaltung höherentwickeltem Leben gegenüber niederentwickeltem den Vorzug gibt, bedeutet nicht, dass er damit ein prinzipielles „Recht“ dazu einräumt oder durch die Hintertür eine grundsätzliche Werthierarchie innerhalb des Lebens zuließe. Denn das hieße ja, in jeder Situation – ob notwendig oder nicht – dem vermeintlich geringer zu bewertenden Leben mit entsprechender Herabsetzung zu begegnen. Aber genau das verbietet sich in der Ehrfurchtsethik. Vielmehr ist ihr zufolge jede Gelegenheit zu nutzen, anderes, auch noch so unbedeutend scheinendes Leben – ob „leidensfähig“ oder nicht – zu erhalten und zu fördern, wo immer es möglich ist.

 
21. März 2017

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16. Januar 2017

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23. April 2017

Eröffnung der Ausstellung: "Mein Wort an die Menschen" - Engagement gegen den Atomkrieg

18.00 Uhr, Berlin, Anti-Kriegs-Museum, Brüsseler Str. 21
Informationen: PDF

24. April 2017

Ausstellung: "Mein Wort an die Menschen" - Engagement gegen den Atomkrieg

24. April - 24. Sept. 2017
Berlin, Anti-Kriegs-Museum, Brüsseler Str. 21
Informationen: PDF

06. Mai 2017

Mitgliederversammlung des DHV

14.00 Uhr, Frankfurt a. M., Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum, Wolfsgangstr. 109

13. Mai 2017

Benefizkonzert für notleidende Kinder in Griechenland

Schirmherrschaft: Stiftung Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum
Straßburg (F), St. Thomas-Kirche
Informationen: PDF

24. Mai 2017

36. Evangelischer Kirchentag

24. - 28. Mai 2017
Der DHV wird mit einem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten (Messe Berlin) vertreten sein.

09. Juni 2017

Johannistreffen Günsbach

9. - 11. Juni 2017
Günsbach (F), Ancien Presbytère, 3, Rue Albert Schweitzer
Informationen: http://www.johannistreffen.ch/

07. Juli 2017

The Fourth International Albert Schweitzer Summer School

07. Juli - 12. Juli 2017
Günsbach (Frankreich)
Informationen: DOC

22. September 2017
01. Oktober 2017

Internationaler Albert-Schweitzer-Preis

1. - 3. Oktober 2017
Königsfeld im Schwarzwald
Informationen: PDF