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10.09.2012 15:37

„Ein Vitamin, das Leben zu bestehen“

Von: Gottfried Schüz
Eugen Drewermanns Rede bei der Preisverleihung

Eugen Drewermanns Rede bei der Preisverleihung

Wie bereits in vorangegangenen Ausgaben berichtet, wurden im Mai 2011 der Arzt Dr. Rolf Maibach und seine Frau Raphaela sowie der Theologe und Psychotherapeut Prof. Dr. Eugen Drewermann mit dem Internationalen Albert-Schweitzer-Preis geehrt, der erstmals vergeben wurde.

Die Preisverleihung war umrahmt von einer zweitägigen Festveranstaltung in Albert Schweitzers Wahlheimat Königsfeld/Schwarzwald. Dieses Ereignis ist nun in Wort und Bild anschaulich in einer Festschrift dokumentiert, die in Kürze erscheint. Damit naht die langersehnte Gelegenheit, vor allem die Hauptbeiträge, die Laudatio von Herrn Dr. Franz Alt für Eugen Drewermann und diejenige von Christoph Wyss für das Ehepaar Maibach sowie die Dankesreden der Preisträger nachzulesen. Letztere bildeten zweifellos den Höhepunkt der Veranstaltung:

Eugen Drewermann bekannte, dass er schon als Jugendlicher Albert Schweitzer zu seinem großen Vorbild erhoben habe. Ohne ihn fehle „ein Vitamin, das Leben zu bestehen“. Vor diesem Hintergrund wurde ihm der Krieg eine wesentliche Schlüsselerfahrung: Angesichts der erlebten Zerstörung in den Städten erwies sich ein Anspruchsrecht auf Besitz, das wir zu verteidigen hätten, als null und nichtig. „Eine solche Erfahrung formt nicht nur die Einstellung zu Eigentum, Geld, Wirtschaft, Bankwesen ..., es ist Grundlage einer Ethik, die ganz und gar in der Bergpredigt begründet ist und von Albert Schweitzer wie selbstverständlich gelebt wurde. Wenn wir irgend etwas haben, ist es ein Geschenk zum Weitergeben, so wie der Regen vom Himmel kommt ... Alles, was wir zu besitzen meinen, ist ein Durchlaufposten, nichts zum Reklamieren, was festzuhalten ist.“ Auch für seine theologische Auseinandersetzung sei, so Drewermann, Schweitzer „wie eine Rettung“ für ihn gewesen. Schweitzer habe ihn ermutigt, biblische Überlieferung unbefangen und mit nüchterner Vernunft auf die ihr zugrunde liegende Wahrheit zu befragen – eine Wahrheit, die er durch Erklärungen des kirchlichen Lehramtes oft genug versperrt fand. Und so zeigt sich diese und eine Reihe weiterer Parallelen zu Schweitzer in Drewermanns Denken und Werk bis hin zu seiner psychoanalytischen Praxis, wie im Einzelnen auf der Festveranstaltung zur Sprache kam.

Das Ehepaar Maibach beeindruckte durch den Bericht über die Arbeit im Albert-Schweitzer-Hospital von Haiti, das Dr. Rolf Maibach seit 15 Jahren leitet. Einer ihrer Leitsprüche bildet ein Zitat Schweitzers: „Du kannst nicht die ganze Welt retten, aber du kannst einem einzelnen Menschen Hoffnung geben.“ So berichteten sie unter anderem von der erst zwei Monate alten Cherline, der wegen einer lebensgefährlichen Infektion der Unterschenkel des einen und der Fuß des anderen Beines amputiert werden musste. „Ihre alleinstehende Mutter hatte sie verlassen, da man mit einem behinderten Kind keinen Mann bekommt“, führte Maibach aus. Nach vielen Jahren fand die inzwischen Achtjährige wieder Aufnahme bei ihm, für die er Prothesen in seiner Heimat Graubünden fertigen ließ. Cherline habe sich in der Folgezeit prächtig entwickelt, spiele sogar Fußball und für ihre Großfamilie sei sie eine unersetzliche Hilfe geworden. Eine besondere Herausforderung für Raphaela und Rolf Maibach wurde das Erdbeben von Haiti im Januar 2010: „Wie durch ein Wunder blieb das Hôpital Albert Schweitzer unbeschädigt. Wenige Stunden später wurden Hunderte von Verletzten ... mit offenen Knochenbrüchen und schwereren Verletzten gebracht, schließlich waren es Tausende, die wir dank guter Infrastruktur und Hilfe von Chirurgen und Anästhesisten aus Kanada, USA und der Schweiz alle behandeln konnten.“ In diesen und auch weiteren Beispielen wurde mehr als deutlich: Hier wirkten und wirken Menschen bewusst im Geist der Ehrfurcht vor dem Leben, wie es Albert Schweitzer vorlebte.

Neben diesen besonders bewegenden Ansprachen der Preisträger sind auch die weiteren Beiträge sehr lesenswert: Von der Begrüßungsrede des Königsfelder Bürgermeisters Fritz Link, der sich einmal mehr als profunder Schweitzer-Kenner ausweist, bis hin zur eindrucksvollen Predigt des leider inzwischen verstorbenen Baseler Pfarrers Dr. Clemens Frey im Rahmen des abschließenden Ökumenischen Festgottesdienstes.

Ein überaus bereicherndes Buch, das die enorme Wirkkraft und Aktualität von Albert Schweitzers Werk für die heutige Welt bewegend vor Augen führt. Die Drucklegung der Festschrift wurde durch die STIFTUNG DEUTSCHES ALBERT-SCHWEITZER-ZENTRUM Frankfurt am Main mit ermöglicht, die auch als Mitherausgeberin fungiert. Das Buch kann beim Deutschen Albert-Schweitzer-Zentrum Frankfurt a. M. bestellt werden (info(at)albert-schweitzer-zentrum.de).

 
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Informationen: PDF

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Günsbach (F), Ancien Presbytère, 3, Rue Albert Schweitzer
Informationen: http://www.johannistreffen.ch/

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Günsbach (Frankreich)
Informationen: DOC

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