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26.10.2017 22:11

Forschungsstandort Lambarene

Von: Dr. Roland Wolf
Labor in Lambarene

Labor in Lambarene

Forschung wird in Lambarene groß geschrieben, und das nicht erst seit heute. Neuere Untersuchungen über die medizinische Praxis Albert Schweitzers haben gezeigt, dass die Geschichte der Forschung bis in die Zeit zurückreicht, als das Spital sich noch auf dem Gelände der evangelischen Missionsstation in Andende befand. Mit der Ankunft junger Ärzte aus Europa und der Einrichtung eines mikro­biologischen Labors wurden damals die Grundlagen gelegt, die nach der Errichtung eines größeren Spitals auf eigenem Grund und Boden erweitert werden konnten.

Der unbestrittene Schwerpunkt der Arbeit in Lambarene bis über den Tod Schweitzers hinaus lag jedoch auf der heilenden ärztlichen Tätigkeit. Erst mit dem Bau des der­zeitigen – vierten – Albert-Schweitzer-Spitals wurde auf ausdrücklichen Wunsch des Staatspräsidenten die Forschung institutionell im Krankenhaus verankert und im April 1981, drei Monate nach der Einweihung des neuen Krankenhauses, ein Forschungs­labor in Betrieb genommen.

Fünf Jahre lang wurden unter Leitung des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg For­schungen zu tropischen Infektionskrankheiten und vor allem der Malaria durchge­führt, bevor Probleme der Finanzierung der Arbeit ein vorläufiges Ende setzten.

Neuanfang mit Professor Dr. Peter Kremsner
Anfang der 1990er Jahre erfolgte der Neuanfang durch Professor Peter Kremsner und das Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen. Aus anfangs drei Wis­sen­­schaftlern im alten Laborgebäude sind in zweieinhalb Jahrzehnten über 150 Mitarbeiter in drei Ge­bäuden und mit weiterem räumlichem Erweiterungspotential geworden.

Mit dieser Entwicklung ging ein organisatorischer Wandel einher. Aus dem „For­schungs­­labor“ als konstituierendem Bestandteil des Albert-Schweitzer-Spitals wurde im Laufe der Zeit eine „Medizinische Forschungseinheit“ als eine der drei Säulen der Spitalstiftung neben dem Krankenhaus und der Historischen Zone und seit 2011 das weitgehend unabhängige, aber in mancherlei Hinsicht noch mit dem Spital verbundene „Medizinische Forschungszentrum von Lambarene“ CERMEL.

Schwerpunkt liegt auf der Erforschung tropischer Infektionskrankheiten
Nach wie vor liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit auf der Erforschung tropischer Infektionskrankheiten und vor allem der Malaria, daneben aber auch der Be­kämpfung von Bilharziose, Dengue-Fieber und Ebola und in jüngster Zeit auch der multi­resistenten Tuberkulose, die in Gabun immer mehr zum Problem wird.

In all diesen Bereichen hat sich das Zentrum in Lambarene zu einem weltweit aner­kannten Forschungsstandort entwickelt. Für Professor Kremsner ist es „heute die wich­tigste Einrichtung dieser Art in Gabun und zweifellos eine der wichtigsten in Afrika“.

In den ersten Jahren der Tätigkeit in Lambarene stand vor allem die Erprobung und Weiterentwicklung von Medikamenten zur Vorbeugung und Behandlung der Malaria im Mittelpunkt, nachdem der Parasit gegen die klassischen Präparate weitgehend resistent geworden war. Viele Medikamente sind in Lambarene mitentwickelt oder erprobt worden, darunter das bei Afrikareisenden weitverbreitete Malarone.

Wichtige Arbeit und Forschung zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria
Die Hauptzielgruppe der Forscher sind jedoch nicht die Touristen oder Geschäfts­leute, sondern die Kinder im Alter von bis zu 5 Jahren, auf die drei Viertel aller Todesfälle entfallen. Deshalb wurde der Wunsch nach der Entwicklung eines wirksamen und preiswerten Impfstoffes immer stärker.

Ein Kandidat dafür existierte seit den 1990er Jahren im Wirkstoff RTS’S der Firma GlaxoSmithKline (GSK). Nachdem er in der klinischen Phase II (Erforschung der Wirkung und der richtigen Dosierung an Patientengruppen) in Europa und mehreren afrikanischen Ländern ermutigende Ergebnisse hervorgebracht hatte – darunter auch in zwei Studien am Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene – wurde er von der Welt­gesundheitsorganisation und anderen medizinischen Instanzen zur weiteren Erpro­bung freigegeben.

Angesichts der positiven Ergebnisse beschlossen die Firma GSK und die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung zusammen mit Forscherteams in sieben afrikanischen Län­dern (Tansania, Kenia, Mosambik, Malawi, Ghana, Burkina Faso und Gabun), in die dritte klinische Phase einzutreten, die Erprobung des Impfstoffs an größeren Patientengruppen.

Fast 16.000 afrikanische Kinder wurden im Rahmen dieser Studie geimpft, davon 1230 im Albert-Schweitzer-Spital. Mit einer rund 40-prozentigen Wirksamkeit blieben die Ergebnisse zwar etwas unter den Erwartungen zurück, gaben aber zur Hoffnung auf weitere Fortschritte Anlass.

Diese Hoffnung könnte sich schon bald konkretisieren, nachdem Forscher der Universität Tübingen und des CERMEL gemeinsam mit dem amerikanischen Biotechnologie Unternehmen Sanaria Inc. mit PfSPZ einen Lebendimpfstoff entwickelt hat, der die Malaria-Erreger Plasmodium falciparum schon in der Leber angreift und die Parasiten gar nicht ins Blut kommen lässt.

Forscher der Universität Tübingen haben den neuen Wirkstoff an 67 gesunden Erwachsenen erprobt und dabei herausgefunden, dass eine Testgruppe von neun Personen, die innerhalb von vier Wochen dreimal eine hohe Dosis des Impfstoffs erhalten hatten, nach zehn Wochen einen hundertprozentigen Schutz vor Malaria aufwiesen und keine unerwünschten Nebenwirkungen zeigten. In einem nächsten Schritt wird der neue Impfstoff im Rahmen einer zweijährigen klinischen Studie an 400 Kindern in Lambarene erprobt.

Die Bedeutung eines solchen Impfstoffs steht außer Frage. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO waren im Jahr 2015  214 Millionen Menschen mit Malaria infiziert, von denen rund 438.000 starben. 90 Prozent der Todesfälle waren in Afrika zu beklagen, davon waren drei Viertel Kinder unter 5 Jahren.

Aktuelle Entwicklungen am Forschungsstandort Lambarene - Einrichtung einer Staatlichen Schule für Gesundheitswesen zur Ausbildung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal
Forschung benötigt nicht nur Geld, sondern auch Räumlichkeiten. Wer das Zentrum in Lambarene besucht, kann dort mittlerweile eine bedrückende Enge feststellen, die auch durch die Errichtung eines Verwaltungsgebäudes durch den Staat Gabun nur ge­ringfügig abgemildert wurde. Doch glücklicherweise bieten sich hinter dem aktu­ellen Krankenhaus, aber noch auf dem Gelände der Internationalen Spitalstiftung, Er­wei­terungsmöglichkeiten an.

Dort sollte nach dem Willen des Staates Gabun zum hundertjährigen Jubiläum des Spitals im Jahr 2013 ein Internationales Universitätsklinikum entstehen. Der Plan wur­de nicht verwirklicht, und schließlich überließ der Staat die fertiggestellten Ge­bäude dem rechtmäßigen Eigentümer des Grundstücks, der Spitalstiftung FISL, und den Forschern einen Teil zu ihrer Nutzung. Derzeit werden dort ein Insek­tarium und ein Hochsicherheitslabor zur Detektion neuer Erreger errichtet.

Nun soll dieser neu entstandene Campus eine weitere Aufwertung erfahren. Als Ge­meinschaftsprojekt des CERMEL, der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen, des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, der Medizinischen Universität Wien und des Staates Gabun als Träger der Einrichtung soll auf dem Campus eine Staatliche Schule für Gesundheitswesen zur Ausbildung von Ärzten und medizinischem Fach­personal entstehen.

Das Abkommen zwischen der gabunischen Regierung und den Kooperations­part­nern wurde am Rande der Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der Tropen­medizin an der Universität Tübingen unterzeichnet, auf gabunischer Seite vom Mi­nister für Gesundheit und Bevölkerung, Professor Léon Nzouba.

Das Forschungszentrum CERMEL wird die zukünftige Schule betreiben und zudem für das Kursangebot und die Ausbilder sorgen. Selbstverständlich werden dabei die in Lambarene tätigen Wissenschaftler in der Ausbildung eine aktive Rolle spielen.

„Die Schule wird die Forschungsaktivitäten des CERMEL um den Bereich Lehre ergänzen: Wir werden Studierende und Postgraduierte aus vielen Ländern, Afrika und natürlich insbesondere aus Gabun ausbilden“, sagt Professor Dr. Peter Kremsner vom Tübinger Institut für Tropenmedizin und Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie Präsident des Verwaltungsrates des CERMEL.

  

 
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5.  - 26. November 2017
60435 Frankfurt a. M. (Preungesheim), Ev. Festeburgkirche, An der Wolfsheide 58
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14. Januar - 10. Februar 2018
Offenburg, Kloster Unserer lieben Frau, Kreuzgang, Lange Str. 9
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