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05.03.2017 20:18

Sitzung der Internationalen Stiftung für das Albert- Schweitzer-Spital vom 13.-14. Dezember 2016 in Lambarene

Von: Dr. Roland Wolf
Wegweiser zum Hôpital Schweitzer

Wegweiser zum Hôpital Schweitzer

Die traditionell im Oktober stattfindende halbjährliche Sitzung der Internationalen Spitalvereinigung FISL war in diesem Jahr wegen fehlender Dokumente verschoben worden und fand unter Leitung von Dr. Daniel Stoffel am 13. und 14. Dezember 2016 in Lambarene statt.

Leider waren nur sechs Stiftungsratsmitglieder persönlich erschienen – darunter nicht einer der drei offiziellen Vertreter des Staats Gabun, also des Staatspräsidenten sowie des Finanz- und des Gesundheitsministeriums –, doch dank erteilter Vollmachten war die Versammlung beschlussfähig.

Zum ersten Mal anwesend war der Anfang Oktober 2016 gewählte neue Spitaldirektor Jean-Pierre Salinière, der sein Amt im Januar 2017 angetreten hat. Zugegen war auch Francis de Jouvancourt de Channes, ein seit 35 Jahren in Gabun lebender Franzose, der neu in den Stiftungsrat aufgenommen wurde.

Damit präsentiert sich der Stiftungsrat wie folgt:

Präsident: Daniel Stoffel (Schweiz)
1. Vizepräsident: René Hilaire Adiahéno (Gabun)
2. Vizepräsident: Gaby Pauli (Frankreich)
3. Vizepräsident: Jean-Christian Obame (Gabun)
4. Vizepräsident: Roland Wolf (Vertreter der AISL)

Die übrigen Stiftungsratsmitglieder sind: Solange Nzenze (Vertreterin des Staatspräsidenten), Yolande Nyonda (Vertreterin des Finanzministeriums), ein neu zu bestimmender Vertreter des Gesundheitsministeriums, Christiane Engel (Vertreterin der Familie Schweitzer), Fritz von Gunten (Schweiz), Daniel Neuhoff (Deutschland), Eric Bayé (Gabun), Robert Ndong (Gabun), und der neu gewählte Francis de Jouvancourt (Frankreich). Der Platz des zweiten Vertreters des Staatspräsidenten bleibt weiterhin unbesetzt.

Im Mittelpunkt der Beratungen standen drei Punkte: die Finanzen, Grundstücksangelegenheiten und Personalfragen.

Finanzen

Die finanzielle Lage des Krankenhauses ist nach wie vor mehr als besorgniserregend. Nachdem die staatliche Subvention 700 Millionen Francs (rund 1,07 Millionen Euro) bis zum Jahr 2014 betragen hatte, wurde sie aufgrund des Preisverfalls bei Gabuns Hauptexportprodukt Erdöl im Jahr 2015 auf 477 Millionen Francs (rund 729.000 Euro) reduziert. Die gleiche Summe war auch für 2016 in Aussicht gestellt worden, doch bis Mitte Dezember 2016 waren lediglich 354 Millionen Francs (rund 541.000 Euro) bezahlt worden.

Dank großer Bemühungen des Interimsdirektors Dr. Arnaud Flamen sowohl im Einnahmen- wie im Ausgabenbereich konnten die Löhne immer bezahlt werden, wenn auch mit mehr oder weniger großer Verspätung und unter Verzicht auf die Abführung von Steuern und Sozialabgaben, was beim Personal zu verständlichem Unmut führte.

Für das Jahr 2017 liegen noch keine Angaben über die staatliche Unterstützung vor. Es bleibt somit abzuwarten, ob der Staatspräsident das bei einer Audienz im April 2016 abgegebene Versprechen hält, die Subvention auf 900 Millionen Francs (rund 1,38 Millionen Euro) zu erhöhen. Doch auch diese Maßnahme würde nicht ausreichen, die in den letzten Jahren aufgelaufenen Schulden bei der Sozialversicherung und bei den Steuerbehörden zu tilgen.

Aus diesem Grund hatten sich die Vertreter der drei europäischen Hilfsvereine in Deutschland, Frankreich und der Schweiz an die Mitglieder des Stiftungsrats gewandt und vom Staat Gabun eine Bereinigung der finanziellen Situation gefordert. Nach Aussage der gabunischen Ratsmitglieder wurden die ultimativen Forderungen der Hilfsvereine von den gabunischen Behörden mit Verärgerung aufgenommen.

Grundstücksangelegenheiten

Nach der Gründung der Internationalen Spitalstiftung FISL im Jahr 1974 musste der Grundbesitz des Spitals von der Internationalen Schweitzer-Vereinigung AISL auf die FISL übertragen werden. Offensichtlich ist dieser Prozess nie bis zum Ende durchgeführt worden, denn im Grundbuch von Lambarene erscheint immer noch die AISL als Eigentümer des von Albert Schweitzer sowie des nach seinem Tod von seiner Tochter Rhena erworbenen Grundstücks.

Dies wurde jetzt geändert, und es werden Schilder aufgestellt, um auf die Begrenzung des Grundeigentums hinzuweisen. Damit wird auch die Auseinandersetzung mit den Spitalangehörigen erleichtert, die ohne Genehmigung der Spitalstiftung auf deren Gelände gebaut haben.

Personalfragen

Der Vorstand der Spitalstiftung hatte Anfang Oktober 2016 in Paris einen neuen Spitaldirektor gewählt. (s. nächster Bericht)

Sonstiges

Was die sonstigen Beratungen angeht, ist hervorzuheben, dass das Gabunische Kulturministerium erneut die Aufnahme der Historischen Zone in die Liste des UNESCO- Weltkulturerbes vorschlagen will. Da eine solche Maßnahme nicht nur Vorteile für das Spital hat, sondern auch hohe Auflagen und finanzielle Belastungen mit sich bringt, unterstützt die Spitalstiftung dieses Projekt nicht offensiv, sondern wartet weitere Maßnahmen des Ministeriums ab, das diese Sache nun schon seit fast zehn Jahren mit mehr oder weniger großer Intensität verfolgt.

Während der Sitzung war auch wieder einmal der Leiter des Forschungszentrums, der Tübinger Professor Peter Kremsner in Lambarene. Er gab den Ratsmitgliedern einen sehr informativen Überblick über die Aktivitäten der fast 200 Forscher, die zurzeit an 20–30 Projekten arbeiten. Schwerpunkte sind nach wie vor die tropischen Infektionskrankheiten (Malaria, Bilharziose), Wurmerkrankungen und die Tuberkulose. Aufgrund seiner Bemühungen hat die Universität Tübingen in Lambarene einen Lehrstuhl eingerichtet, der von einem der drei örtlichen Direktoren des Zentrums, Dr. Akim Ayola Adegnika, bekleidet wird.

In Bezug auf die medizinischen Aktivitäten liegen nur die Zahlen des ersten Halbjahres vor, die in vielen Bereichen einen Rückgang zeigen. Die endgültigen Zahlen für 2016 werden im April 2017 vorgestellt werden.

Die nächsten Sitzungen des Internationalen Stiftungsrats werden vom 22.–23. April und vom 28.–29. Oktober 2017 in Lambarene stattfinden. 

 
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01. Oktober 2017

Internationaler Albert-Schweitzer-Preis

1. - 3. Oktober 2017
Königsfeld im Schwarzwald
Informationen: PDF und Presseinfo als PDF

12. Oktober 2017

Albert Schweitzers Ethik: Praxistest Klimawandel

18.00 - 20.00 Uhr, Berlin Schöneberg, Seminarraum des MCC (Mercator Research Institut on Global Commons and Climate Change), EUREF-Campus 19
Vortrag und Diskussion mit Dr. phil. Martin Kowarsch.

12. November 2017

Albert Schweitzer und Richard Wagner: Die Idee der Ehrfurcht vor dem Leben in Wagners 'Parsifal'

18.00 Uhr, Berlin
Informationen: PDF
Vortrag und Gespräch mit Peter Berne (Berlin)

 

 

14. November 2017

Heimat im Herzen: Helene Bresslau udn Albert Schweitzer

19.00 Uhr, Frankfurt /M., Ev. Festeburggemeinde Frankfurt-Preungesheim, Frankfurt/M., An der Wolfsweide 48.
Lesung mit Irene Kubisch u. Gustav Pressel aus: Die Jahre vor Lambarene - Briefe 1902-1912