«Arzt wollte ich werden, um ohne reden wirken zu können.»

Albert Schweitzer

Bericht über die Ratssitzung der FISL Ende März 2008 in Lambarene


Am 29. und 30. März 2008 fand in Lambarene unter Leitung von Dr. Roland Wolf
die jährliche Ratssitzung der Internationalen Stiftung für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene (Fondation Internationale de l’Hôpital du Docteur Albert Schweitzer à Lambaréné – FISL) statt. Die wichtigsten Punkte der zweitägigen Beratungen seien hier zusammengefasst.

1. Ratsinterne Angelegenheiten

1. Ratsinterne Angelegenheiten


Zu Beginn der Sitzung legte der im vergangenen Jahr neu gewählte Präsident die Grundlinien seines Handelns dar: den sparsamen Umgang mit den finanziellen Mitteln, die Bereinigung aller Vertragsverhältnisse mit den Angestellten des Spitals und die Einhaltung der in Gabun geltenden gesetzlichen Bestimmungen sowie die strenge Beachtung der ethischen Werte, auf denen die Stiftung aufbaut.
Die erste Entscheidung betraf eine Änderung der Statuten: die Zahl der Vizepräsidenten wurde von vier auf fünf erhöht. Den neu geschaffenen Platz nimmt der Präsident des Schweizer Hilfsvereins Dr. Daniel Stoffel ein. Damit besteht der Vorstand der Stiftung nun aus folgenden Personen:
Präsident:    Dr. Roland Wolf     (Deutschland)
1. Vizepräsident:    Albert Chavihot     (Gabun)
2. Vizepräsident:    Dr. Hans-Peter Müller     (Schweiz)
3. Vizepräsident:    René Hilaire Adiahéno     (Gabun)
4. Vizepräsident:    Dr. Lachlan Forrow     (USA)
5. Vizepräsident:    Dr. Daniel Stoffel     (Schweiz)
 
Als neue Vertreterin Frankreichs wurde Gabrielle Pauli, Professorin für Lungenheilkunde an der Universität Straßburg, in den Stiftungsrat gewählt. Sie folgt auf Maryvonne Lyazid, die nach sechs Jahren als Präsidentin den Stiftungsrat verlassen musste.
Sodann wurden zwei gabunische Mitglieder, die dreimal ohne Entschuldigung bei den Ratssitzungen gefehlt hatten, satzungsgemäß aus dem Stiftungsrat ausgeschlossen und durch zwei neue ersetzt. Eines davon ist Sylvère Mbondobari, der in Deutschland studiert und über Albert Schweitzer promoviert hat. Ich hatte ihn Ende der 80er Jahre in Gabun als Schüler kennen gelernt und seinen Weg seither verfolgt. Es freut mich, dass die Ratsmitglieder dem im vergangenen Jahr unterbreiteten Vorschlag gefolgt sind und damit einen jungen Mann, einen Schweitzer-Kenner und ein Mitglied der Zivilgesellschaft ohne politische Ambitionen in den Stiftungsrat aufgenommen haben.

2. Aktivitäten der Stiftung

2. Aktivitäten der Stiftung


Zunächst gab der Spitaldirektor Denis Pirlot de Corbion einen umfassenden Bericht über die finanzielle und personelle Situation sowie die abgeschlossenen, laufenden oder geplanten Projekte. Besondere Aufmerksamkeit widmete er dabei den gestiegenen Personalkosten, den personellen Veränderungen in der Spitalverwaltung sowie der Notwendigkeit, das nunmehr mehr als 25 Jahre alte derzeitige Spital, das sogenannte "Neue Spital", zu renovieren. Danach berichtete Emmanuelle Philipp, die Assistentin der Stiftung, über ihre Tätigkeit. Zu ihre Aufgaben gehören außer der tagtäglichen Verwaltung die Kommunikation mittels Schriftverkehr, Internetauftritt und Teilnahme an Veranstaltungen sowie die Pflege der alten und die Suche nach neuen Partnern, die uns bei der Beschaffung und beim Versand von Material und Medikamenten helfen. In Bezug auf den letzten Punkt war sie vor allem im Elsass sehr erfolgreich, so dass mehrere Schiffscontainer mit Material auf die Reise nach Lambarene gebracht werden konnten.

3. Finanzen

3. Finanzen


Der Tagesordnungspunkt ist leider nicht vollständig behandelt worden, da der Rechnungsprüfer seinen Bericht wegen längerer Krankheit nicht rechtzeitig vorlegen konnte. Dies soll so schnell wie möglich nachgeholt werden.
Die anwesenden Vertreter des gabunischen Finanzministeriums stellten ihren Bericht über eine zehntägige Überprüfung der Spitalfinanzen und der Verwendung der staatlichen Subvention vor und wiesen dabei auf einige Mängel hin. In erster Linie sind dies die zu hohe Bezahlung der Angestellten im Vergleich zu den Angestellten der staatlichen Krankenhäuser und der zu hohe Anteil von nicht-medizinischem Personal. Allerdings hat die Stiftung in diesem Punkt nur eine beschränkte Handlungsfähigkeit, da durch die sehr arbeitnehmerfreundliche Gesetzgebung Gabuns jedes befristete Arbeitsverhältnis ab der zweiten Vertragsverlängerung, also ab dem fünften Jahr, in ein unbefristetes Verhältnis übergeführt wird. Entlassungen von Mitarbeitern sind deshalb nur sehr schwer möglich.
Ein weiterer Punkt ist sehr klar geworden: Mit der ersten Rate der gabunischen Subvention ist in der Regel nicht vor Ende März zu rechnen. Das heißt für die Stiftung, dass die Löhne für Januar bis März, insgesamt etwa 275.000 Euro, von ihr vorzufinanzieren sind und ein entsprechendes finanzielles Polster geschaffen werden muss.
Am Ende der Debatte erhielten die Hilfsvereine Gelegenheit, ihre geplante finanzielle Unterstützung des Spitals für das laufende Jahr darzulegen. Neben dem Staat Gabun mit 1,7 Mio. Euro ist die Schweiz mit 660.000,– CHF, umgerechnet zur Zeit etwa 426.000,– Euro, der größte Geldgeber, gefolgt von Deutschland mit garantierten 140.000,– Euro und zusätzlicher Projekthilfe. Frankreich wird etwa 30.000,– Euro zur Verfügung stellen und übernimmt zudem die Finanzierung der Stelle der Assistentin in Straßburg. Wie bereits in den vergangenen Jahren machte die amerikanische Schweitzer-Fellowship keine großen finanziellen Zusagen, erklärte sich aber bereit, nach Mitteln für verschiedene Projekte zu suchen.

4. Aktivitäten des Spitals

4. Aktivitäten des Spitals


Aus dem Bericht des Chefarztes ging hervor, dass 2007 die Zahl der Untersuchungen gegenüber dem Vorjahr um 29% auf 33.154 gestiegen ist. Den größten Anteil an dieser Entwicklung haben die vom Schweitzer-Spital betreuten Buschambulanzen, die von 9.541 Patienten aufgesucht wurden.

An erster Stelle der Krankheitsursachen steht die Malaria (1.096 Patienten), vor allem bei Kindern, gefolgt von Herzkrankheiten (806), Unfällen (759) und akuten Infektionen der Atemwege (683). Wie zu Schweitzers Zeit sind die Eingeweidebrüche (418) immer noch sehr stark vertreten.
Die Zahl der stationären Aufnahmen hat gegenüber 2006 um 523 Patienten auf 5.551 zugenommen. Auch hier stehen bei den Gründen die Malaria und andere Infektionskrankheiten an erster Stelle; weiter im Anstieg begriffen sind die neuen Fälle von Tuberkulose (78) und Aids (99). Bei den chirurgischen Eingriffen stehen die Unfälle auf dem ersten Platz (529), gefolgt von den Hernien (341).
Auf der Geburtsstation wurden 1.161 schwangere Frauen behandelt. 811 Entbindungen steht die weiterhin hohe Zahl von 178 Fällen gegenüber, in denen Frauen nach einer außerhalb des Spitals vorgenommenen oder eingeleiteten Abtreibung bei uns behandelt werden mussten.
Die Sterblichkeitsrate unter den Patienten ist mit 2,5% leicht gestiegen. Bei den Kindern war sie mit 6,8% überdurchschnittlich hoch, vor allem bei den Neugeborenen und Frühgeburten. Eine eigene Säuglingsstation mit ausgebildetem Personal ist weiterhin ein dringendes Bedürfnis.
Obwohl die Malaria bei den Untersuchungen und bei den stationären Aufnahmen an erster Stelle steht, ist sie nicht die hauptsächliche Todesursache. Dies kann als Beweis dafür gelten, dass die Malaria am Albert-Schweitzer-Spital mit großer Wirksamkeit behandelt wird, woran das Forschungslabor einen hochrangigen Anteil hat.
Aids stellt nach wie vor eine ernste Bedrohung dar. 40 Patienten wurden 2007 ambulant mit der Tritherapie behandelt; sieben davon sind gestorben, fünf haben die Behandlung abgebrochen.
Sehr viel erfreulicher ist das Ergebnis des mit deutscher Hilfe gestarteten Projekts der Verhinderung der Aids-Übertragung von der Mutter auf das Kind. Fast alle Schwangeren (928 von 929) unterzogen sich dem freiwilligen HIV-Test, alle nahmen das Ergebnis entgegen. Die 22 Kinder von HIV-positiven Müttern, die bisher der Behandlung (Geburt mit Kaiserschnitt, medikamentöse Behandlung von Mutter und Kind, Verzicht auf das Stillen) zugestimmt hatten, erwiesen sich beim Test nach zwölf Monaten alle als HIV-negativ.
Erfreuliches gibt es auch bei der medizinischen Ausstattung zu berichten. Dank der Spenden des Deutschen und des Schweizer Hilfsvereins, des Kinderdorfs Waldenburg und einer Reihe von Einzelpersonen konnten zahlreiche neue Geräte angeschafft werden.

5. Forschungslabor

5. Forschungslabor


Die Arbeit des Forschungslabors lässt sich in drei große Bereiche gliedern: die Dienstleistungen für die übrigen Abteilungen des Spitals, die Forschungsaktivitäten und die Ausbildung.

Zum ersten Bereich gehört die Malaria-Diagnose für alle Patienten der Kinderklinik und die Untersuchung des Hämoglobins mittels Elektrophorese. Aus Mitteln des Forschungslabors wurde ein mikrobiologisches Labor eingerichtet, das dem ganzen Spital zugute kommt.
Bei der klinischen Forschung steht der Test verschiedener Wirkstoffe, vor allem in Form von Kombination verschiedener Moleküle, für die Malaria-Behandlung im Mittelpunkt, daneben die Arbeit an zwei Impfstoffen.
In Zusammenarbeit mit der "Vienna School of Clinical Research" sind in Lambarene mehrere Fortbildungsveranstaltungen zu wissenschaftlichen, methodischen und ethischen Fragen für junge Forscher aus Europa und Afrika durchgeführt worden.

6. Gedenkstätte Historische Zone

6. Gedenkstätte Historische Zone


Seit dem vergangenem Jahr wird die Historische Zone mit dem renovierten Alten Spital, dem Museum und den Gästezimmern von der Sekretärin Léonie Bivigou mitbetreut. Sie legte nun zum ersten Mal einen ausführlichen, statistisch untermauerten Bericht vor. Danach wurde das Museum im Jahre 2007 von 3.682 Personen besucht. Davon kamen 1.693 aus Afrika, 1.744 aus Europa (nach Frankreich mit 1.475 Besuchern stellt Deutschland mit 70 die zweitgrößte Gruppe), 189 aus Amerika, 41 aus Asien und 15 aus Australien.
Mit den Verkäufen der Boutique im Museum und den Einnahmen aus Übernachtungen und Verpflegung wurden insgesamt 75.000,– Euro erzielt, die in den Spitalhaushalt flossen.
Unter den Besuchern sind immer mehr größere Gruppen, vor allem aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Dabei macht sich nachteilig bemerkbar, dass nur sieben Zimmer mit Dusche und Toilette vorhanden sind, so dass jeweils ein Teil der Gruppe in den einfachen Gemeinschaftsunterkünften des ehemaligen Frischoperierten-Pavillons ohne eigene sanitäre Anlagen untergebracht werden muss. Deshalb hat der Stiftungsrat nun beschlossen, ein zweites Haus mit sieben Gästezimmern an der Stelle des ehemaligen "Hauses für die weißen Patienten" zu errichten.

7. Dörfliches Leben und Projekte

7. Dörfliches Leben und Projekte


An der Wasseraufbereitungsstation mussten umfangreiche Ausbesserungsmaßnahmen durchgeführt werden, die mittlerweile beendet sind. Das Projekt der Abwasserbeseitigung ist weit fortgeschritten, die meisten Gebäude an die Kanalisation angeschlossen und die große Klärgrube fertiggestellt. Nun müssen noch die Klärteiche angelegt werden, aus denen das gereinigte Wasser dann dem Ogowe zugeleitet wird.
Die vom DHV finanzierte Einrichtung von zwei neuen Klassensälen für die Grundschule ist abgeschlossen. Aus den Schulspenden des vergangenen Jahres werden nun noch Toiletten errichtet.
Der sonntägliche Gottesdienst wird auf Beschluss des Stiftungsrats in Zukunft in der großen Halle der Poliklinik abgehalten werden. Er ist für die Kranken und vor allem auch die Bewohner des Lepradorfes besser erreichbar als das bisher genutzte Gebäude unweit des Flusses.

8. Verschiedenes

8. Verschiedenes


Die nächste Sitzung des Internationalen Stiftungsrats soll am 4. und 5. April 2009 in Lambarene stattfinden.