02.03.2010
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Viele Schweitzer-Freunde waren gespannt auf den Spielfilm "Albert Schweitzer - Ein Leben für Afrika", der Weihnachten 2009 in den deutschen Kinos anlief. Die Erwartungen sahen recht verschieden aus. Einige erhofften eine quasi dokumentarische, eng an Leben und Werk angelehnte Filmhandlung, während diejenigen, die die heutige Filmlandschaft kennen, weniger optimistisch waren, weil heute vor allem "action" gefragt ist. Vor diesem Hintergrund habe ich nur gehofft, dass die Atmosphäre in Lambarene und - noch wichtiger - die Charaktere der Hauptpersonen nicht entstellt werden. Wie nicht anders zu erwarten, fielen denn auch die Urteile über den Film sehr unterschiedlich aus. Als Regel lässt sich sagen, dass die relativ kleine Zahl der Kenner Schweitzers eher kritisch reagierte. Dieser Gruppe stehen die Vielen gegenüber, die einen interessanten, möglichst spannenden Film sehen und dabei noch die Geschichte eines ethisch herausragenden Menschen erleben wollten. Diese waren überwiegend sehr zufrieden bis begeistert. Ist es da wichtig, dass eigentlich nur die triumphale Amerikareise und die Entgegennahme des Friedensnobelpreises in Verbindung mit dem sehr emotionalen Fackelzug in Oslo stimmten, während alles andere fiktiv ist, obwohl manches sich hätte so abspielen können? Wenn auch in Südafrika gedreht, waren die Atmosphäre zwischen Wasser und Urwald und die des Spitals erstaunlich gut getroffen. Dagegen erfolgte Schweitzers Eintreten gegen die Atomwaffenversuche in Wirklichkeit erst fünf Jahre später. Auch kam kein CIA-Agent nach Lambarene. Ferner sind die provisorische Regierung Gabuns, die drohende Schließung und teilweise Zerstörung des Spitals reine Fiktion. Einen Röntgenapparat gab es hier erst ab März 1954. Dies und anderes mehr ist ein Tribut an die heutige Filmmode, an die sich das Kinopublikum gewöhnt hat und die dessen Erwartungen bestimmt. Als ein positiver Effekt des Films darf gewertet werden, dass die Medien nicht nur den Film in den Nachrichtensendungen ankündigten, sondern Albert Schweitzer mehrfach in ARD, ZDF, Doku-Kanal und zahlreichen Zeitungsartikeln thematisiert wurde - und das überwiegend positiv. Der DHV hat Kontakt zur Filmverleih-Gesellschaft und konnte Filmvorführungen preiswert für Schulen vor Weihnachten vermitteln. Nach einer Filmvorführung in Frankfurt am Main haben wir eine Podiumsdiskussion veranstaltet, an der ZDF-Journalist Peter Schmidt, der eine sehr gute Dokumentation gedreht hat, Siegfried Neukirch, der sieben Jahre bei Schweitzer in Lambarene gearbeitet hat, und die Vorsitzenden von DHV und Stiftung teilnahmen. Die Moderatorin Folke Dreier übernahm ohne Honorar die Gesprächsleitung. Diese Veranstaltung war zweifellos ein Erfolg. Mein Fazit: Trotz mancher Mängel hat der Film unserem Anliegen genutzt, die Ideen Albert Schweitzers zu verbreiten. Außerdem bietet er die Chance, dass wieder ein Teil der jüngeren Generation mit einer der überragenden, Maßstab setzenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts konfrontiert und vielleicht angeregt wird, sich mit ihr intensiver zu befassen. |
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von Gottfried Schüzmehr...