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11.12.2009

Die Malaria-Impfung vor dem Durchbruch?

Deutschland im September 2009. Elektronische und Druckmedien sind voller
Berichte über die allgemein Schweinegrippe genannte neue Influenza H1N1. Mit
einer Reihe von Maßnahmen, angefangen von konsequenter Hygiene bis hin zur bevorstehenden millionenfachen Schutzimpfung, schützt sich das Land gegen die Pandemie, die weltweit bisher nahezu 3.000 Todesfälle verursacht hat, davon nur eine Handvoll in Deutschland. Immer noch weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit sterben derweil Menschen in weitaus höherer Zahl in Afrika am Sumpffieber, der Malaria. Von den weltweit mehr als drei Milliarden Menschen, die der Bedrohung durch die Malaria ausgesetzt sind, sowie den ein bis drei Millionen Todesfällen jährlich entfallen mehr als zwei Drittel – und 90 % bei den Kindern unter fünf Jahren – auf die afrikanischen Länder südlich der Sahara.

Dies trifft auch auf Gabun zu, wo die den Malaria-Erreger übertragende Anopheles-Mücke ideale Lebensbedingungen vorfindet. So war es nur folgerichtig, dass Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als in Lambarene neue Bauten das alte Spital Albert Schweitzers ablösten, der damalige gabunische Staatspräsident Omar Bongo der internationalen Trägerstiftung des Spitals die Errichtung eines Labors zur Erforschung von Tropenkrankheiten, und vor allem der Malaria, zur Auflage machte. Seit 1992 wird das Labor von Professor Dr. Peter G. Kremsner vom Tropeninstitut der Universität Tübingen geleitet und hat sich weltweit einen Namen gemacht. Zwar beschäftigen sich die Forscher mittlerweile auch mit der immer häufiger auftretenden Tuberkulose und klassischen Tropenkrankheiten wie Bilharziose und Sichelzellanämie, doch der Kampf gegen die Malaria bleibt ihre Hauptaufgabe. In den ersten Jahren der Tätigkeit in Lambarene stand vor allem die Erprobung und Weiterentwicklung von Medikamenten zur Vorbeugung und Behandlung der Malaria im Mittelpunkt, nachdem der Parasit gegen die klassischen Präparate weitgehend resistent geworden war. Der Erfolg der Forschertätigkeit ist nicht zu übersehen: In Lambarene verzeichnet man eine der niedrigsten Todesraten durch Malaria bei Kindern unter einem Jahr. Doch der Wunsch nach einem entscheidenden Durchbruch durch die Entwicklung eines wirksamen und preiswerten Impfstoffes wurde immer stärker. Daran wird in Lambarene seit nunmehr drei Jahren fieberhaft gearbeitet.

Zur Zeit beteiligen sich die Forscher an zwei großen Malaria-Impfstudien. Der erste Impfstoffkandidat heißt GMZ2 und befindet sich in der Phase I der klinischen Entwicklung, in der die Verträglichkeit an gesunden Menschen erprobt wird. Der Impfstoff wurde zunächst an Erwachsenen in Tübingen getestet. In einem weiteren Schritt wurden dann erwachsene Männer und schließlich Kinder in Gabun geimpft. Bisher wurden bei keinem der Impflinge Nebenwirkungen festgestellt; somit hat sich der Impfstoff als sehr sicher erwiesen. Die Untersuchung an afrikanischen Kindern, der künftigen Haupt­zielgruppe, wurde von August 2008 bis August 2009 durchgeführt, und bisher wurden bei keinem Kind Komplikationen beobachtet. Die Abschlussuntersuchung aller Kinder soll im Oktober 2009, genau 365 Tage nach der ersten Impfung stattfinden. Danach werden die Daten ausgewertet.

Sehr viel weiter gediehen ist die Entwicklung des Impfstoffkan­didaten RTS'S der Firma GlaxoSmithKline (GSK), der seit 1992 erprobt wird. Nachdem der Wirkstoff in der klinischen Phase II (Erforschung der Wirkung und der richtigen Dosierung an Pa­tientengruppen) in Europa und mehreren afrikanischen Ländern ermutigende Ergebnisse hervorgebracht hatte – darunter auch in zwei Studien am Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene –, wurde er von der Weltgesundheitsorganisation und anderen medizinischen Instanzen zur weiteren Erprobung freigegeben. Angesichts der positiven Ergebnisse beschlossen die Firma GSK und die Bill- und- Melinda-Gates- Stiftung zusammen mit For­scherteams in sieben afrikanischen Ländern (Tansania, Kenia, Mosambik, Malawi, Ghana, Burkina Faso und Gabun), in die dritte klinische Phase einzutreten, die Erprobung des Impfstoffs an größeren Patientengruppen.

Dank seiner hervorragenden Arbeit war das Team in Lambarene am weitesten gelangt und hoffte deshalb, die erste Malaria-Impfung auf dem afrikanischen Kontinent im März 2009 in Lambarene vornehmen zu können.
Leider blockierte aber das gabunische Gesundheitsministerium aus nicht klar erkennbaren Gründen und gegen den Rat aller nationalen und internationalen Gesundheitsorganisationen den Prozess – und verlor damit die einzigartige Chance, das international weitgehend unbekannte Land Gabun in die positiven Schlagzeilen zu bringen. Während in Tansania die Impfung bereits begonnen hatte, be­mühten sich in Gabun Forscher, Spitalleitung, Vertreter der medizinischen Fakultät in Libreville und andere mehr um die Einwilligung des Ministeriums. Die Tatsache, dass Präsident Bongo Anfang Juni starb und das Land in einen Zustand politischer Lähmung verfiel, trug zusätzlich zur Verzögerung bei.

Im Juli kam dann endlich grünes Licht von der Regierung, und die Impfung in Lambarene konnte beginnen. 1.230 Kinder werden nun im Rahmen der RTS'S-Studie im Albert-Schweitzer-Spital geimpft, über 16.000 in ganz Afrika. Eine Studie in Mosambik hatte vor sechs Jahren gezeigt, dass man nach der Impfung einen Schutz von 33 % vor der Malaria hat und sogar 50 % vor einer schweren Malaria. Sollten sich diese Ergebnisse jetzt bestätigen oder sollten sie sich sogar noch verbessern lassen, so wäre das ein entscheidender Schritt im Kampf gegen die Malaria, der Hunderttausenden von Kindern das Leben retten kann.




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