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10.06.2009

Obstanbau im Albert-Schweitzer-Spital

Einer der Gründe, die Albert Schweitzer bewogen, sein Spital vom Gelände der
Missions­sta­tion in Andende auf seinen heutigen Platz drei Kilometer flussaufwärts zu
verlegen, war die Notwendigkeit, über eigenes Land zum Anbau von Lebensmitteln zu
verfügen und damit Geld für den Kauf von Reis zu sparen, der bei Knapp­heit der Grundnahrungsmittel Kochbananen und Maniok für teures Geld gekauft werden musste.

Als Schweitzer von der Kolonialverwaltung 70 Hektar Land für sein neues Spital zur
Verfügung gestellt bekam, setzte er dort Brotfruchtbäume und pflanzte Mais, Erdnüsse und
die bei uns bekannten süßen Bananen, die weniger Arbeit verursachten als die Kochbananen.
Nach den Bestimmungen der Kolonie musste er auch „wertvolle" Exportpflanzen anbauen, so
dass er zwischen die Bananenstauden Kakaobäume und Kaffeesträucher setzte. Im Laufe der
Zeit legte Schweitzer im Spital einen großen Obstgarten an. Seine Bäume lieferten Orangen,
Pampelmu­sen (Grapefruits), Mangos und Avocados. Nach dem Tod des Spitalgründers
wurde der Obstgarten zunehmend vernachlässigt und verschwand dann völlig, genau wie der
Gemüsegarten zwischen Doktorhaus und Fluss. Außer den zahlreichen Mangobäumen, die in
jedem gabunischen Dorf zu finden sind, erinnern nur noch die Brotfrucht­bäu­me auf dem
Weg zum Alten Spital an Schweitzers Pflanztätigkeit.

Es ist deshalb zu begrüßen, dass zwei Studen­ten am Forschungslabor des Spitals, Saskia
Land­mann und Dominic Lenz, an Schweitzers Idee anknüpfen und ein Areal für den Anbau
von tropischen Früchten anlegen wollen. Sie stellen hier ihr Projekt vor:

„Es soll in erster Linie ein Pilotprojekt sein, das zuerst von Studenten des Labors errichtet
werden soll, insbesondere aber den Einheimischen ein Bild davon geben könnte, wie man hier
vor Ort einige Früchte für den Eigenanbau nutzen könnte. Hierfür sollen in einem zweiten
Schritt Schüler aus der Schule auf dem Gelände angefragt werden, die dann gemeinsam mit
den Studenten den Garten unterhalten sollten. Die Erträge würden zu großen Teilen an die
„Gärtner" selbst gehen, ein Teil – etwa 25% – an das Krankenhaus abgegeben werden, um im
Sinne des Spitalgründers die christliche Solidarität und das Einstehen für andere
hervorzuheben. Auf der anderen Seite wird durch den Anbau und die Pflege dem wilden
Zuwuchern der Grünflächen vorgebeugt und somit das Spitalgelände langfristig verschönert.
Dazu möchten wir eine Fläche von etwa 500 qm roden, um darauf Ananas, Papaya, Bananen,
Avocados und Zitrusfrüchte anzupflanzen. Die Pflege des Gartens wollen wir Studenten in
dem uns möglichen Rahmen größtenteils selbst übernehmen. Für die Rodung, Vorbereitung
des Bodens und den Ankauf der Pflanzen bzw. Samen bräuchten wir eine Summe von etwa
500 Euro, mit der wir dieses Projekt ins Leben rufen könnten".

So weit die beiden Initiatoren des Projekts. Ich bin sicher, dass für dieses schöne und mit
bescheidenen Mitteln in Gang zu setzende Vorhaben unter den deutschen Albert-Schweitzer-
Freunden sich die notwendige finanzielle Unterstützung finden lässt.







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