«Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.»

Albert Schweitzer

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11.12.09

Projekttage: 60 Jahre Albert-Schweitzer-Schule

Mit Unterrichtsreihen, Projekttagen vom 2. bis 4. September 2009, einer abendlichen Feierstunde und einer abschließenden Projektpräsentation beging die Albert-Schweitzer-Schule in Nienburg an der Weser ihr 60-jähriges Namensjubiläum. Und doch stand nicht allein die Person des
Namensgebers im Mittelpunkt.

Es war der 17. Juni 1949, als die damalige ‚Staatliche Oberschule für Jungen in Nienburg' seitens der Stadt den Namen ‚Albert-Schweitzer-Schule' übertragen bekam. Der Namenspatron hatte sogar in einem Brief persönlich seine Zustimmung gegeben. Damit war die Albert-Schweitzer-Schule Nienburg die erste deutsche Schule, die den Namen des weltbekannten Theologen, Organisten, Musikforschers, Philosophen und Arztes tragen durfte.
60 Jahre sind seitdem vergangen, Anlass genug, dieser Namensübertragung
feierlich zu gedenken. Schweitzer gab schon in seinem Brief die Richtung vor, die die Projekttage prägen sollte:
„Dass Ihre Schule meinen Namen führen soll, ja, das stört mich ein bisschen, dass meine Person in den Vordergrund gerückt wird. Aber Sie allein
entscheiden, und wie Sie es machen, ist es recht."

Wer war Albert Schweitzer? Die Schülerinnen und Schüler der Albert-Schweitzer-Schule hatten mehr im Sinn, als ein bloßes Namensjubiläum zu begehen. Wofür stand und steht er? Was verbirgt sich noch hinter dem Namen der Schule, die ich besuche? Um diesen Fragen nachzugehen und ihre Vorstel­lung von Albert Schweitzer mit Leben zu füllen, führten die Schülerinnen und Schüler der Klassen und Kurse am 2., 3. und dem Morgen des 4. September Projekte zum Thema „Albert Schweitzer" durch.
Die Schüler von der fünften bis zur 13. Jahrgangsstufe wünschten sich auf ihre
je eigene altersgemäße Weise mit Albert Schweitzer auseinanderzusetzen. Diese Vielfalt kam Schweitzers ureigenstem Wunsch entgegen, dass nicht er selbst als Person, sondern sein Wirken, seine Lebensleistung, sein Menschenbild in den Mittelpunkt gerückt wurde. Die Klasse 5a etwa veranstaltete ein Albert-Schweitzer-Quiz, mit dem das für die jüngeren Schüler sehr abstrakte Thema viel anschaulicher und fassbarer wurde, wozu auch die liebevoll gestalteten Urwaldkulissen beitrugen. Die Klasse 7d wiederum beschäftigte sich mit der Biographie Albert Schweitzers und drehte eine filmische Reportage, die am Präsentationstag dann im eigens gestalteten Kino
vorgeführt wurde – und regen Zuspruch fand.
Die 9a dagegen richtete ihren Blick auf Schweitzers Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben". Dabei wurden beispielsweise die Themen ‚Abtreibung' und ‚Tierversuche' projektartig aufbereitet und kritisch diskutiert. Auch der Q1-Deutschkurs von Frau Heineke, der sich aus Elft- und Zwölftklässlern zusammensetzt, widmete sich Philosophischem, beschäftigte sich nämlich mit dem Menschenbild Albert Schweitzers, wobei die Auseinandersetzung mit Originaltexten Schweitzers und dessen Kritikern im Zentrum stand. Ergebnis war eine mit veröffentlichten Zeitungsartikeln gestaltete Stellwand, vor der Interviews vorgespielt wurden.
Die drei Projekttage mündeten in eine für die gesamte Schulöffentlichkeit zugängliche Präsentationsveranstaltung am Freitag, dem 4. September, von 15 bis 17 Uhr. Neben den geschilderten Projekten konnte man afrikanisches Essen kosten, erfuhr Wissenswertes über Impfungen, Krankheiten und deren Be­kämpfung, nahm an der ‚Ultimativen Dschungelerfahrung' der Klassen 5d und 6d teil, die den Regenwald mit allen Sinnen begreifbar machten, und konnte Modeschauen, Theaterstücke, Lambarene als nachgebautes Modell und vieles mehr bestaunen. Zudem fand eine Scheckübergabe an den Verein Arivu statt,
einem Verein, der in Indien den Aufbau einer Schule und den Schulbesuch bedürftiger Kinder unterstützt.
Bemerkenswerterweise beteiligte sich das Albert-Schweitzer-Zentrum in Frankfurt an den eigentlich aus einem Sponsorenlauf herrührenden Spenden mit großzügigen 1.500 Euro, für die dem Albert-Schweitzer-Zentrum,
und hier ganz besonders Herrn Dr. Einhard Weber, an dieser Stelle ganz herzlich gedankt werden soll.
In einer Feierstunde am Donnerstag, dem 3. September, zu dem Schulleiter aus dem gesamten Landkreis, Lehrer, Elternvertreter, Schüler, Vertreter der Stiftungen, der Politik, der Kirche und der Landesschulbehörde geladen waren, strichen – nachdem Schulleiter Dr. Weghöft in einem kurzen Vortrag den langen Weg der Schule zu ihrem neuen Namen geschildert hatte – insbesondere Dr. Weber vom Albert-Schweitzer-Zentrum und Herr Ritter von der Landesschulbehörde die Persönlichkeit Albert Schweitzers heraus und machten so auch für den jüngeren Teil des Publikums Schweitzers Ethik mit ihren Bestandteilen Liebe, Hingabe, Mitleiden, Mitfreude und Mitstreben begreifbar.

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will" – 60 Jahre
nach der Namensänderung wurde dem Publikum erneut die Bedeutung dieses zentralen Satzes ins Bewusstsein gerückt. Die an den Projekttagen beteiligten Schüler, Lehrer und Eltern sowie der Verein Arivu stellten eines mit Sicherheit unter Beweis: Schweitzers Ideen leben und bleiben unvergänglich.




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