Albert Schweitzer: Mahner für den Frieden


«Nur das Denken, in dem die Gesinnung der Ehrfurcht vor dem Leben zur Macht kommt, ist fähig, die Zeit des Friedens in unserer Welt anbrechen zu lassen.»


Das Wettrüsten der Atommächte in den fünfziger Jahren und die zahlreichen atomaren Versuchsexplosionen ließen Schweitzer in seinem letzten Lebensjahrzehnt nicht ruhen, sich vielfältig öffentlich für Abrüstung und Frieden einzusetzen. Nach anfänglicher Zurückhaltung nutzte er vor allem seine Nobelpreisrede 1954, um die Welt vor der Atomgefahr zu warnen. Es folgte drei Jahre später sein "Appell an die Menschheit" über Radio Oslo. In weiteren Rundfunk-Appellen erhob er seine Stimme. Nicht leidenschaftliche Anti-Kriegspropaganda, sondern die Stimme der Vernunft brachte er zu Gehör. Dabei ging es ihm um Aufklärung über die weitreichende Schädigung allen Lebens durch die freigesetzte Radioaktivität und um eine Warnung vor den weltumspannenden Folgen eines möglichen Atomkriegs. Zudem wandte er sich mit Friedensappellen an den amerikanischen Präsidenten Eisenhower und 1962 an die Regierung Kennedy, aber auch an Chruschtschow, als die Gefahr eines Atomkrieges in greifbare Nähe rückte. Schweitzer durfte noch im gleichen Jahr als inzwischen 88-Jähriger erleben, dass die Atommächte ein Kernwaffenversuchsverbot in der Atmosphäre und im Wasser beschlossen.
Schweitzers Friedensbotschaft ist, dass wir "den Krieg aus einem ethischen Grund verwerfen, nämlich weil er uns der Unmenschlichkeit schuldig werden läßt". Seine Forderung lautet daher: "Das Ziel, auf das von jetzt bis in alle Zukunft der Blick gerichtet sein muß, ist, daß völkerentzweiende Fragen nicht mehr durch Kriege entschieden werden können. Die Entscheidung muß friedlich gefunden werden."