Albert Schweitzer: Theologe und Prediger


«Alles Große in der Welt muß geglaubt werden, ehe es geschieht, und der Glaube ist die Kraft, die es herbeizieht.»


Albert Schweitzer studierte nicht nur Philosophie und evangelische Theologie, sondern wurde auch in beiden Fächern an der Straßburger Universität promoviert. So setzte er sich in seiner philosophischen Doktorarbeit mit der Religionsphilosophie Immanuel Kants auseinander, während seine theologische Dissertation Jesu letztem Mahl und der Abendmahlsfeier im Urchristentum galt.
Dass Schweitzer die akademische Lehrerlaubnis auf dem Gebiet der Theologie und nicht der Philosophie erwarb, hing damit zusammen, dass ihm das Predigen ein "inneres Bedürfnis" war. Die damalige philosophische Fakultät in Straßburg hätte nämlich einen Privatdozenten der Philosophie nicht gerne als Prediger gesehen. Von Dezember 1899 an predigte Schweitzer als Vikar in der Kirche St. Nicolai in Straßburg. Seine noch heute lesenswerten Predigten zeichnen sich durch verständliche Sprache, Bilderreichtum und klare Gedankengänge aus. Es werden grundsätzliche Fragen des Lebens und Glaubens thematisiert – und dies in einem Geist der Wahrhaftigkeit und der Freiheit.
Von demselben Geist sind auch Schweitzers theologische Arbeiten über Jesus von Nazareth und den Apostel Paulus bestimmt. So kann er unumwunden zugeben, dass die von Jesus und den ersten Christen gehegte Naherwartung des Reiches Gottes sich nicht erfüllt habe. Worauf es für Schweitzer ankommt, ist die Willensgemeinschaft mit Jesus, die Hingabe an die "Religion der Liebe".