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14.09.2011 11:51

Eugen Drewermann und Albert Schweitzer

Von: Stefan Walther
Franz Alt und Eugen Drewermann

Franz Alt und Eugen Drewermann

Am 29. Mai 2011 erhielten in Albert Schweitzers Wahlheimat Köngisfeld/Schwarzwald das Ehepaar Raphaela und Dr. med. Rolf Maibach sowie Eugen Drewermann den „Internationalen Albert-Schweitzer-Preis“, der erstmals vergeben wurde. Die Entscheidung wurde von einem Kuratorium aus Vertretern von 14 Albert-Schweitzer-Vereinigungen getroffen, in dem auch die Stiftung Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum beteiligt ist. Weitere Preisverleihungen sollen im Drei-Jahres-Rhythmus folgen.

Das Ehepaar Maibach aus Ilanz (Schweiz) wurde für ihren langjährigen Einsatz im und für das Albert Schweitzer Krankenhaus (www.hashaiti.org) in Deschappelle auf Haiti geehrt. Eugen Drewermann wurde für sein - sich immer wieder explizit auf Albert Schweitzer beziehendes – geistiges Schaffen geehrt. Franz Alt drückte es in seiner Laudatio in Königsfeld folgendermaßen aus: „Eugen Drewermann hat wie Albert Schweitzer ein großes Anliegen: Jesus heutig zu machen … Unsere Welt braucht Menschen wie Albert Schweitzer und Eugen Drewermann.“ Grund genug sich auf Spurensuche im umfangreichen Werk von Drewermann zu machen.

Drewermann und Schweitzer studierten beide Theologie und Philosophie und waren Privatdozenten der Theologie. Albert Schweitzer studierte später Medizin während Drewermann eine Ausbildung zum Psychotherapeuten durchlief; beide suchten den unmittelbaren therapeutischen Kontakt zu ihren Mitmenschen. Für Drewermann war Albert Schweitzer „eine ganz wichtige moralische Instanz“, jemand der „mir Mut geschenkt hat“ (2000), ein „Leuchtturm der Orientierung“ (2004) und sein Buch ‚Wir glauben, weil wir lieben‘ (2011) beginnt mit der Überschrift  „Mein Vorbild Albert Schweitzer“. In seiner Rede anlässlich der Verleihung des Internationalen Albert-Schweitzer-Preises spricht Drewermann von Schweitzer als einem Medikament, einem Vitamin: „Würde es Albert Schweitzer nicht gegeben haben, hätte mir so ein Vitamin das Leben zu bestehen zweifellos gefehlt“.

Die geistige Verwandtschaft begann bei Drewermann als Jugendlichem mit der Lektüre des seinerzeit erschienenen Buchs Schweitzers: „Aus meinem Leben und Denken“. Drewermann fand in Schweitzer Unterstützung, seine kindlichen, aber unbequemen Fragen zur Bibelauslegung zu stellen. Die kritische, neue Elemente aus Mythen, Märchen und Legenden berücksichtigende Bibelauslegung charakterisiert Drewermanns theologischen Weg und führt 1991/’92 zum Entzug der Lehrerlaubnis und Suspendierung vom Priesteramt.

Drewermann, ganz ähnlich wie Schweitzer, kann das Menschsein nicht aus der Natur heraus verstehen oder gar begründen. Er schreibt: „Dass die Welt so ist, wie sie ist, müssen wir hinnehmen. Aber wie wir damit umgehen, ist eine Frage nach Gott“. Auch Drewermann verharrt nicht in dieser Resignation der Erkenntnis, sondern schreibt: „Es geht mir schlicht um einen mitleidigeren, gütigeren Umgang mit den Menschen und den Kreaturen“. Das Gemeinsame zwischen Mensch und Kreatur sieht Drewermann vor allem in der Jahrmillionen langen Evolution. Während Schweitzer mehr die Betonung legt auf Schmerz und Leid als der gemeinsamen Erfahrung von Kreatur und Mensch, sieht Drewermann die Angst als die verbindende psychische Evidenz.

Drewermann fordert „eine neue Ethik, die, entsprechend der modernen Sicht der Biologie, die Ansprüche des Menschen an die Welt begrenzt an dem Recht auf Leben und Überleben der Lebewesen an unserer Seite“. „An Gott zu glauben“ bedeutet für ihn „die Welt der Grausamkeit zu widerlegen durch die Liebe“.

In Drewermanns Einführung in Leben und Werk von Albert Schweitzer fasst er diese Aspekte zusammen: „Diese zwei Evidenzen, Mitleid mit der leidenden Kreatur und eine Nachfolge Christi durch praktisches Tun ist mir von Albert Schweitzer in Erinnerung geblieben. … Moral ist bis ins Unendliche geweitetes Verantwortlichkeitsgefühl, getragen von Mitleid … Alles was Albert Schweitzer sagt, ist im Grunde revolutionär, richtet sich gegen die Natureinrichtung, und es richtet sich gegen die Selbstverständlichkeit, mit der wir immer noch das, was wir Kultur nennen, in Wirklichkeit als Barbarei aufführen. Albert Schweitzer war es, der die Revolution, die friedliche, gütige, menschliche Revolution der Botschaft des Jesus von Nazareth wiederentdeckt hat durch seine eigene Menschlichkeit.“

 

Literatur:

Drewermann, Eugen (29.5.2011): Rede anlässlich der Verleihung des ‚Internationalen Albert-Schweitzer-Preis‘, Königsfeld.

Alt, Franz (29.5.2011): Laudatio für Eugen Drewermann, Königsfeld.

Drewermann, Eugen (2010): „Wir glauben, weil wir lieben“. Patmos Verlag.

Drewermann, Eugen (11.11.2004): „Ethik – ins grenzenlose erweiterte Verantwortung“. Rede in Esslingen.

Drewermann, Eugen (2000): „Eine Einführung in Leben und Werk. Eugen Drewermann im Gespräch über Albert Schweitzer“. CD-ROM, FIBM, Frankfurt a. M.

 
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